Der Nutzen der immateriellen Mitarbeitermotivation

Die Motivation des Personals hängt direkt mit der Arbeitsproduktivität zusammen. Wenn die Arbeitnehmer an guter Arbeit und an der eigenen beruflichen Entwicklung interessiert sind, wirkt sich das positiv auf die Gesamtlage des Unternehmens aus.

Manche Unternehmer und HR-Manager gehen leider immer noch ausschließlich von der materiellen Motivation aus, obwohl schon mehrfach bewiesen wurde, dass die immaterielle Motivation des Personals um ein Vielfaches besser funktioniert.

Wir wollen nun darauf eingehen, was die Motivation grundsätzlich darstellt und wie die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer selbst darauf einwirken können, um hervorragende Ergebnisse im Unternehmen zu erreichen.

Was ist Motivation und wie ist sie entstanden?

Erstmals ist der Begriff „Motivation“ in der Schrift des deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer „Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde“ erschienen, in der er sich damit auseinandersetzte, wie und warum sich der Mensch auf eine bestimmte Weise benimmt. Danach begannen auch andere Philosophen, Psychologen und Psychiater, diesen Begriff aktiv zu benutzen, um Ursachen und Kräfte zu erklären, die die Handlungen und Entscheidungen der Menschen bewirken.

Allgemein gesehen ist die Motivation eine Gesamtheit von Gründen und Motiven, die das Verhalten des Menschen determinieren. Dabei können die Faktoren, die die Handlungen des Menschen beeinflussen, durchaus verschieden sein und sowohl innere als auch äußere Ursachen haben.

Im Grunde genommen können profunde Kenntnisse der möglichen materiellen und immateriellen Mitarbeitermotivation den beiden Prozessteilnehmern zu den gewünschten Geschäftsergebnissen verhelfen. Hauptsache, man behält immer im Auge, dass die Gehaltserhöhung allein nicht immer Sinn macht, obwohl das eine der meistverbreiteten Vorgehensweisen in der Motivationslehre ist. Denn kein großes Geld kann die Person auf ihrer Arbeitsstelle festhalten, wenn sie sich nicht richtig eingelebt hat oder mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden ist. Die Mitarbeiter von heute suchen an ihrem Arbeitsplatz viel mehr als nur Geld. Es liegt ihnen viel mehr daran, ein Teil der gemeinsamen Sache zu sein und unter komfortablen Bedingungen zu arbeiten.

Materielle und immaterielle Motivation von Mitarbeitern

Es gibt verschiedene Ansätze bei den Fragen der Motivation und der Förderung des Mitarbeiterwunsches, immer besser zu arbeiten. Dazu gehören unter anderem die Kompensation der Reise- und Bildungskosten, die Organisation der Verpflegung und die bezahlten zusätzlichen arbeitsfreien Tage. Das alles sind aber Beispiele für materielle Motivation, bei der letzten Endes alles aufs Geld hinausläuft. Gehaltserhöhung, Kostenerstattung für Dienstleistungen und Prämien für KPI (was übrigens gerade im Vertrieb sehr gut funktioniert) sind die Methoden, die das Bestreben der Mitarbeiter materiell fördern, „schneller, höher und stärker“ zu sein.

Zur immateriellen Motivation gehört hingegen alles, was das Arbeiten an sich bequemer macht. Das kann zum Beispiel die Gleitarbeitszeit im Büro sein. Dazu gehört auch alles, was mit körperlicher Anstrengung, mit der sozialen Anerkennung, mit der Organisation von Firmenveranstaltungen zusammenhängt, genauso wie vieles andere mehr. Das Hauptziel der immateriellen Motivation besteht darin, dass alle nebensächlichen Bedürfnisse des Mitarbeiters abgedeckt werden, weil allgemeine Unzufriedenheit seine Leistung wesentlich herabsetzen kann. All diese Elemente der immateriellen Motivation kann man in mehreren großen Gruppen vereinigen.   

Arten der immateriellen Motivation

Es gibt keinen Mitarbeiter, den man an seinen Arbeitsplatz nur mit Geld binden kann, ohne dabei die Arbeitsbedingungen und ein psychologisch komfortables Arbeitsklima zu beachten. Neben dem würdigen Gehalt sind auch immaterielle Anreize erforderlich, die den Menschen dazu bewegen, im Unternehmen zu bleiben und sich darin weiter zu entwickeln. Zu den Hauptarten der immateriellen Personalmotivation gehören vor allem folgende:

  1. Soziale Motivation:  Krankenversicherung, Karriere-Aussichten, professionelle Entwicklungsmöglichkeiten und das Gefühl, als Profi geschätzt zu werden.
  2. Psychologische Motivation: komfortable und adäquate Beziehungen zu Kollegen und zu der Geschäftsführung, Teambuilding-Events und andere Firmenveranstaltungen.
  3. Moralische Motivation: das Gefühl der eigenen Bedeutsamkeit im Unternehmen, die Achtung der Kollegen und der Leiter, Lob und Anerkennung der Verdienste.
  4. Organisatorische Motivation:  ein bequemer Arbeitsplatz, regelbare Arbeitszeiten, die Möglichkeit, von Zuhause aus zu arbeiten etc.

Zur immateriellen Motivation gehören all die Anreize, durch die der Mitarbeiter sich als geschätztes Team-Mitglied fühlt und deshalb bereit ist, besser zu arbeiten und mehr zu leisten.  Die Basis der Möglichkeit, die Team-Arbeit zu stimulieren, liegt oft einem immateriellen Motivationssystem zugrunde, das von jedem Unternehmen individuell ausgewählt und ausgehend von den eigenen Erfahrungen und von den Hauptrichtungen seiner Entwicklung festgelegt wird.

Das System der immateriellen Motivation

Wie schon gesagt, ist der Aufbau des Systems der immateriellen Motivation ein individueller Prozess. Bei der Entwicklung dieses Systems muss von den Zielen, Aufgaben und Bedingungen jedes konkreten Unternehmens ausgegangen werden. Eine universelle Regel, die für alle gilt, von Bankangestellten bis zu den Verkaufsberatern, ist noch nicht formuliert worden. Trotzdem gibt es einige allgemeine Empfehlungen:

  1. Bleiben Sie im Rahmen Ihrer Strategie und der Hauptrichtungen des Unternehmens.
  2. Wenn Sie ein Motivationssystem entwickeln, vergessen Sie nicht, alle Mitarbeiter ohne Ausnahme zu berücksichtigen.
  3. Das Motivationssystem muss entsprechend den Änderungen innerhalb des Unternehmens regelmäßig erneuert werden.
  4. Die Instrumente der immateriellen Motivation müssen den Wünschen und Bedürfnissen der Mitarbeiter angepasst werden.
  5. Dokumentieren Sie das entworfene System und sorgen Sie dafür, dass es für alle Mitarbeiter zugänglich und transparent ist.  

Vor- und Nachteile der materiellen und der immateriellen Motivation des Personals

Wir müssen als Erstes einräumen, dass die materielle und immaterielle Motivation kein Gegeneinander ist, sondern vielmehr etwas, das sich gegenseitig ergänzt. Mithilfe von Prämien allein kann einem die Liebe zur Arbeit kaum anerzogen werden. Aber ohne ein würdiges Gehalt wird es wohl genauso schwer sein, die Mitarbeiter länger zu behalten. Wollen wir nun auf die wichtigsten Vor- und Nachteile beider Ansätze eingehen. 

Materielle Motivation

Vorteile:

  • Ein einfaches und bequemes Einsatzschema: Die Mitarbeiter stehen allen zusätzlichen Verdienstmöglichkeiten, Prämien und Rabatten immer aufgeschlossen gegenüber.
  • Die Prämien heben den persönlichen Erfolg jedes Mitarbeiters hervor.
  • Die Zahlung der Umsatzprovision an die Vertriebsmanager führt zur Umsatzerhöhung.

Nachteile:

  • Ein Aufwand, der nicht immer günstig oder profitabel ist.
  • Eine feste Prämiensumme, zum Beispiel für die Vertriebsabteilung, bildet eine Grenze, über die der Mitarbeiter nicht hinausgehen kann.
  • Ad-hoc-Prämien lassen den Mitarbeiter nicht immer verstehen, was der Grund für die Prämie war und was er tun soll, um wieder in den Genuss zu kommen.

Immaterielle Motivation

Vorteile:

  • Weniger Aufwand ist erforderlich.
  • Das Betriebsklima wird besser und das Glückniveau der Mitarbeiter höher.
  • Fördert die Team-Bildung und es entsteht eine Firmenkultur.

Nachteile:

  • Die Suche nach Instrumenten für immaterielle Motivation der Mitarbeiter ist ein komplizierter und individueller Prozess, bei dem viele verschiedene Faktoren zu berücksichtigen sind.
  • Den Interessen aller Mitarbeiter muss Rechnung getragen werden.
  • Zu hohe Lohnkosten der professionellen HR-Manager, die für gewöhnlich die Haupttreibkraft der immateriellen Motivation sind und als Kontrolleure am Arbeitsplatz auftreten.  

Die Methoden zur immateriellen Motivation der Mitarbeiter

Es gibt eine Unmenge an Methoden, die Arbeitnehmer immateriell zu motivieren. Daher haben wir an dieser Stelle nur die gängigsten und die wichtigsten Definitionen hervorgehoben, auf die man sich stützen sollte.

Mentoring

Diese Methode passt für die Motivation von jungen Fachleuten und neuen Mitarbeitern sehr gut. Wenn man ihnen einen auf seine Arbeit versessenen Profi zuteilt, werden auch seine „Schüler“ früher oder später eine ähnliche Einstellung zur Arbeit entwickeln. Mehr noch: Der junge Mensch wird nicht den Eindruck haben, dass er an einem unbekannten Ort seinem eigenen Schicksal überlassen wurde und er wird immer wissen, wen er um Rat bitten kann. Dadurch wird eines der Hauptziele der immateriellen Motivation gesichert: Die Aufrechterhaltung des moralischen Komforts der Mitarbeiter.

Erholungsplätze

Um die körperlichen Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter noch angenehmer zu gestalten, richten Sie eine besondere Entspannungszone ein, wo die Kollegen sich während der Pause treffen und von den Routine-Aufgaben ablenken können.

Rücklauf

Führen Sie regelmäßig Umfragen durch, bei denen die Mitarbeiter über ihre Bedürfnisse, Wünsche oder Eindrücke offen berichten können. Sollte das Vertrauensniveau noch zu wünschen übriglassen (was an sich schon ein wichtiges Signal dazu ist, das Komfort-Niveau im Unternehmen schleunigst zu verbessern!), kann die Umfrage anonym sein. Alle eingegangenen Informationen müssen unbedingt ausgewertet werden, damit die Mitarbeiter wissen, dass ihre Meinung zählt und dass von ihnen tatsächlich etwas abhängt.

Öffentliches Lob

Fürchten Sie sich nicht, die Verdienste und Errungenschaften der Mitarbeiter hervorzuheben, sowohl in den persönlichen Gesprächen mit ihnen als auch bei den Hauptversammlungen. Das fördert den Wunsch der Mitarbeiter nach mehr Erfolg und Lob.

Events und Team-Building

Führen Sie verschiedene informelle Treffen im und außerhalb des Büros durch, bei denen sich Ihr Team erholen, etwas Neues lernen und Inspiration für die gemeinsame Arbeit erhalten kann.

Beispiele aus Großfirmen

Google und Facebook

Diese zwei IT-Riesen sind schon traditionell durch leuchtende Beispiele bekannt, immaterielle Motivationsmethoden einzusetzen. Die Büros der Firmen sind mit allem Notwendigen ausgestattet, damit die Mitarbeiter sich dort wie zu Hause fühlen und nahezu den ganzen Tag auf dem Campus verbringen können. Fitness, Regenerationszonen und Schlafplätze, kostenlose Verpflegung und andere Maßnahmen gewährleisten den Mitarbeitern einen Komfort auf höchster Ebene.

Full Contact

Das Unternehmen, das sich auf die Steuerung von Geschäftskontakten spezialisiert, bezahlt einmal im Jahr den Urlaub aller seiner Mitarbeiter. Dazu gibt es nur eine Bedingung: Die Leute sollen tatsächlich verreisen, alle Geschäftsbenachrichtigungen abschalten und nicht auf Mails oder Anrufe antworten. Diese immaterielle Motivation zeigt deutlich die Einstellung des Unternehmens zur Erholung: Urlaub ist etwas Gutes, es ist wichtig, sich zu erholen, unter anderem von der Verantwortung für sich selbst und für die anderen.

Apple

Wie Apple verlautet, seien die Mitarbeiter hier die echten Workaholiker, deshalb schafft ihnen das Unternehmen alle Möglichkeiten für eine vollwertige Erholung. Bei Apple gibt es zum Beispiel ein eigenes Bierlokal, in dem das Bier und die Snacks kostenlos sind. Außerdem führt die Firma für ihre Mitarbeiter regelmäßig Veranstaltungen mit bekannten Musikern durch. An den Events bei Apple nahmen schon OneRepublic, Demi Lovato und Stevie Wonder teil, um nur einige von den vielen großen Namen zu nennen.

Amazon

2019 hat die Gesellschaft in die Arbeitsprozesse des Lagerpersonals Spielelemente eingeführt. Die freiwilligen Teilnehmer am Motivationsexperiment bekamen Arbeitsaufgaben, für die Ihnen im Falle der Erfüllung Punkte und virtuelle Auszeichnungen zustanden. Eigentlich nichts Besonderes! Trotzdem ging es dann bei der Warenverteilung in den Lagerregalen viel heiterer und effektiver zu.

DreamWorks

Nach dem Abschluss eines größeren Projekts veranstaltet die Firma auf eigene Kosten eine Party für alle Mitarbeiter. Dadurch werden sie für die harte Arbeit und für den Beitrag zur gemeinsamen Sache belohnt. Neben Erholung und Belohnung für die Arbeit werden die Mitarbeiter auch ins Networking einbezogen: Sie teilen ihre Ideen und Erfolge miteinander, was dazu beiträgt, dass das Team noch enger zusammenrückt.

Screwfix

Dieses große britische Verkaufsnetz von Haushaltswaren gibt seinen Mitarbeitern einmal wöchentlich die Möglichkeit, ihre Meinung zu jedem beliebigen Thema der Geschäftsführung vorzutragen. Es fängt bei dem Führungsstil an und erstreckt sich bis zu den Ratschlägen zum neuen Produkt. Dadurch macht die Firma deutlich, dass sie an der Meinung ihrer Mitarbeiter interessiert ist und ihr Bestes tut, um ihnen Gehör zu schenken.

Legal Monkeys

Das Anwaltsbüro Legal Monkeys benutzt ganz verschiedene Methoden der immateriellen Motivation. Die interessanteste davon ist wohl die Ehrentafel, alias Dankesstand. Jeder Mitarbeiter kann daran einen Wunsch oder ein Kompliment für seinen Kollegen schreiben. Woraufhin dieser die Tafel an seinem Arbeitsplatz aufstellen kann. Ebenso kann er die Eintragung löschen, etwas Eigenes schreiben und das Positive weiter ins Team tragen.

Southwest Airlines

Diese US-amerikanische Fluggesellschaft ist durch ihr hohes Interesse an der Motivation der Mitarbeiter bekannt. Nicht nur Piloten und Flugbegleiter, sondern auch die einfachen Ticketverkäufer können hier das Design ihrer eigenen Uniform entwerfen. Somit fordert die Southwest Airline ihre Mitarbeiter auf, kreativ zu sein. Darüber hinaus tritt die Fluggesellschaft gegen die totale Kontrolle über alle Betriebsangelegenheiten auf und gewährt ihren Mitarbeitern die Freiheit, ihre Meinungen zu äußern und beliebige Ideen zu präsentieren.  

iMARS

Während der Fußball-Weltmeisterschaft hat diese russische Beratungsfirma eine eigene Fan-Zone eingerichtet, in der die Mitarbeiter die Spielübertragungen sogar in der Arbeitszeit verfolgen konnten. Das war ein direkter Beweis für die Sorge um die Werte und Interessen des Personals.

«Masterfibre»

Das Franchising-Netz des Produzenten von Gummibelägen hat eine eigene interne Währung erfunden. Für gute Leistungen bekamen die Mitarbeiter Münzen, für die sie eine Dienstleistung des Unternehmens kaufen konnten. Für 50 Münzen war zum Beispiel eine Reise nach Australien möglich.

An den Beispielen großer Gesellschaften, die in ihrem Segment erfolgreich sind, kann man einsehen, dass die Motivation von Mitarbeitern eine wichtige Komponente für jedes Business ist. Unabhängig davon, in welchem Bereich man tätig ist, ist die Sorge um das Personal nicht etwas, woran man sparen sollte. Diese Sorge werden sowohl die Top-IT-Leute und die Bankangestellten als auch die einfachen Lagerarbeiter zu schätzen wissen. Je besser die Arbeitsbedingungen sind und je mehr Sorge um das Personal das Unternehmen an den Tag legt, desto höher fällt die Gesamtleistung aus.  

Wenn die Mitarbeiter nicht davor zurückschrecken, ihre Meinung auszudrücken, entstehen große und gewinnträchtige Projekte. Wenn die Mitarbeiter wissen, dass das Unternehmen sie tatsächlich braucht, dann werden sie nicht daran denken, die Arbeitsstelle zu verlassen, an der man ihren Beitrag und ihre Leistung wirklich schätzt.


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