Von neuen Regeln für KI bis zum Lehrkräftemangel: die wichtigsten Entwicklungen im Bildungsbereich im Herbst 2026
Der Herbst 2026 verspricht für den Bildungsbereich weltweit ereignisreich zu werden.
Bereits im September bringt die UNESCO Bildungsminister aus mehr als 25 Ländern zusammen, um über den Einsatz von KI im Bildungswesen zu beraten. Die OECD wird einen neuen internationalen Bericht zum Lehrkräftemangel vorlegen, und im November präsentiert die Europäische Union ein umfassendes Bildungspaket, dessen Schwerpunkt auf grundlegenden und digitalen Kompetenzen liegt.
UNESCO und Bildungsminister aus mehr als 25 Ländern wollen gemeinsame Grundsätze für den Einsatz von KI im Bildungswesen entwickeln

Vom 8. bis 11. September findet am UNESCO-Hauptsitz in Paris die Digital Learning Week 2026 statt - eine der größten internationalen Konferenzen zu Technologien im Bildungsbereich. Mehr als 1.000 Teilnehmer werden vor Ort erwartet, mehrere Tausend weitere nehmen online teil. Unter ihnen sind Bildungsminister, Lehrkräfte, Forschende, Studierende und Vertreter der Technologiebranche aus aller Welt.
Das zentrale Thema in diesem Jahr lautet "Bildung im Zeitalter der KI: Fakten, Kontroversen und neue Perspektiven". Mehr als 25 Bildungsminister wollen eine gemeinsame Entscheidung darüber treffen, wie sich das Bildungswesen angesichts der rasanten Verbreitung künstlicher Intelligenz weiterentwickeln soll.
Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen praktische Fragen, mit denen Schulen und Hochschulen bereits heute konfrontiert sind: die Sicherheit von KI-Systemen, die Kosten und Regeln für die Einführung neuer Technologien, die digitale Souveränität sowie die Frage, ab welchem Alter Kinder künstliche Intelligenz beim Lernen nutzen sollten.
Dem letzten Thema wird eine eigene Diskussion gewidmet. Am 8. September wird Sonia Livingstone, Professorin für Sozialpsychologie an der London School of Economics, darüber sprechen, ob es ein geeignetes Alter für den Einsatz von KI im Bildungsbereich gibt. Am selben Tag wird die UNESCO Analysen zur Regulierung künstlicher Intelligenz im Bildungswesen vorstellen.
Am 9. September werden der Gründer der Khan Academy, Sal Khan, und Wayne Holmes, Professor am University College London, kontroverse Fragen rund um die Nutzung von KI durch Lernende diskutieren. Auf der Konferenz wird die UNESCO außerdem neue Daten zum Einsatz künstlicher Intelligenz in der Hochschulbildung vorstellen. Grundlage dafür ist die jährliche Befragung der weltweit angesiedelten UNESCO-Lehrstühle und Forschungszentren.
Lehrkräftemangel wird zum zentralen Thema des neuen OECD-Berichts

Am 29. September veröffentlicht die OECD Education at a Glance 2026, ihre jährliche Studie, in der die Bildungssysteme der Mitglieds- und Partnerländer miteinander verglichen werden. In diesem Jahr steht der Lehrkräftemangel im Mittelpunkt des Berichts sowie die Frage, mit welchen Maßnahmen verschiedene Länder versuchen, ihre Personalprobleme zu lösen.
Education at a Glance deckt ein breites Spektrum an Indikatoren ab: die Finanzierung und Zugänglichkeit von Bildung, die Arbeit von Schulen und Hochschulen, Lernergebnisse sowie den wirtschaftlichen Nutzen von Bildung. Die neue Ausgabe wird rund 600 Seiten umfassen.
Frühere OECD-Daten zeigen, warum die Personalsituation in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt ist. In den OECD-Ländern sind 38 Prozent der Lehrkräfte an weiterführenden Schulen älter als 50 Jahre, während lediglich 9 Prozent jünger als 30 Jahre sind. In den 19 Ländern und Bildungssystemen, die entsprechende Daten zur Verfügung gestellt haben, verließen im Schuljahr 2022/23 durchschnittlich 6,5 Prozent der qualifizierten Lehrkräfte den Beruf. In Dänemark, Estland und Litauen lag dieser Anteil bei mehr als 10 Prozent.
Dabei hängt der Lehrkräftemangel nicht allein mit der Zahl unbesetzter Stellen zusammen. Zu den von der OECD genannten Problemen gehören die Alterung des Personals, das Ausscheiden qualifizierter Fachkräfte aus dem Beruf sowie die Notwendigkeit, in einigen Fällen Personal einzustellen, das nicht über eine vollständige Qualifikation verfügt.
Die Länder setzen bereits unterschiedliche Maßnahmen ein, um neue Lehrkräfte zu gewinnen. In 16 der 28 Länder und Bildungssysteme, für die der OECD Daten vorliegen, gibt es spezielle Programme für Menschen, die sich nach einer beruflichen Laufbahn in einem anderen Bereich für den Lehrerberuf entscheiden. Zu den weiteren Maßnahmen zählen höhere Gehälter, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung.
Education at a Glance 2026 wird zeigen, wie sich die Situation verändert hat und welche Ansätze die verschiedenen Bildungssysteme verfolgen. Neben dem Thema Lehrkräfte wird die OECD aktuelle internationale Daten zur Finanzierung, Zugänglichkeit und zu den Ergebnissen von Bildung präsentieren.
Europäische Union stellt neues Bildungspaket mit Schwerpunkt auf digitalen Kompetenzen vor

Im November wird die Europäische Kommission ein neues Education Package vorstellen, das drei große Bereiche umfasst: die Entwicklung grundlegender Kompetenzen, die Unterstützung von Lehrkräften und Ausbildenden sowie die Modernisierung der digitalen Bildung.
Besondere Aufmerksamkeit will die EU der Frage widmen, welche Kompetenzen heute als grundlegend gelten sollten. Neben Lese- und Schreibkompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften betont die Europäische Kommission die Notwendigkeit, auch digitale und gesellschaftliche Kompetenzen zu fördern.
Die Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Roxana Mînzatu, erklärte: "In einer Welt, die durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändert wird, müssen grundlegende Kompetenzen über Lese- und Schreibkompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften hinausgehen."
Ihr zufolge sind digitale und gesellschaftliche Kompetenzen unter anderem notwendig, um kritisches Denken zu entwickeln, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden und umfassend am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Ein weiterer Bestandteil des Education Package wird die EU Teachers and Trainers Agenda sein. Die Europäische Kommission will sich dabei mit den Arbeitsbedingungen von Lehrkräften und Ausbildenden, den Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung und der Steigerung der Attraktivität des Berufs vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels in den europäischen Ländern befassen.
Der dritte Schwerpunkt betrifft die digitale Bildung. Die EU bereitet eine Roadmap bis 2030 vor, die die Entwicklung digitaler Kompetenzen und von KI-Kompetenz, digitales Wohlbefinden, Widerstandsfähigkeit gegenüber Desinformation und digitale Souveränität umfassen wird. Darüber hinaus plant die Europäische Kommission, die Zusammenarbeit mit europäischen EdTech-Unternehmen auszubauen.
Derzeit führt die Europäische Kommission öffentliche Konsultationen mit Schulen, Lehrkräften, Forschenden, Bildungsbehörden und weiteren Akteuren des Bildungsbereichs durch. Vorschläge können bis zum 8. September eingereicht werden; das endgültige Education Package soll im November vorgestellt werden.
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